Grüner Platz am Theater

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Überall in der Würzburger Innenstadt stehen die Plakate für den Bürgerentscheid und die Wahlunterlagen für die Briefwahl sind auch vor kurzem verschickt worden. Es geht um ein Thema, das schon 2015 zur Frage stand: »Was machen wir mit dem Kardinal-Faulhaber-Platz?«. Der damalige Vorschlag, eine sechsstöckige Geschäftsbebauung, wurde durch das Votum der Bürger abgelehnt. Nun gibt es eine neue Debatte, neue Pläne für den Platz gegenüber des Theaters, denn diesmal gibt es nicht nur einen Vorschlag, sondern gleich zwei.

Kompromiss “für alle”

grünerplatzfüralleplakatAuf dem Poster des Ratsbegehren (Bürgerentscheid Nr. 1) steht »grüner« nur ganz klein geschrieben, die »Innenstadt für alle« jedoch ganz groß. Es wird ein »Tor zur Innenstadt« vorgeschlagen, mit Tiefgarage für Autos und einer Fahrradgarage, die Einfahrt in diese wird mit einem Eckhaus realisiert, in dem unter anderem auch Gastronomie ziehen soll, dass der Platz »auch noch nachts belebt bleibt«. Die Tiefgarage soll den Verlust der 2.200m2 Parkfläche des Kardinal-Faulhaber-Platzes wieder ausgleichen und 110 Stellplätze bieten. Man argumentiert stark im Sinne von Familien, Senioren und Menschen mit körperlichen Einschränkungen, Aufzüge sollen auch geplant sein.

Quelle: http://www.wuerzburg.de/de/buergerentscheid-kardinal-faulhaber-platz/natur-in-der-innenstadt/index.html

Ein echter Grüner Platz am Theatergruenerplatzplakat

»Das Aktionsbündnis fordert einen echten Grünen Platz am Theater. Ein mit Großbäumen bepflanzter Park mit offener Wasserfläche und guter Aufenthaltsqualität« heißt es auf der Webseite des Alternativvorschlags.

Außerdem wird viel am Modell, das im Ratsbegehren vorgeschlagen wird, in Frage gestellt: Auf einer Tiefgarage können nur schwer große Bäume wachsen und selbst wenn wäre es eine massive Wasserverschwendung, denn der Zugang zum Grundwasser wird den Bäumen durch den »Tiefgaragendeckel« verwehrt.
Wenn man also den Park nach unten hin offen errichten und bepflanzen kann, bietet das eine breitere Auswahl an hohen Bäumen.

Eine weitere Tiefgarage in der Innenstadt, noch dazu an der stark befahrenen Achse zwischen Mittlerem Ring, Residenz und Hauptbahnhof würde dem Würzburger Kessel noch mehr Verkehrsaufkommen bescheren. Schon jetzt ist dieser Bereich immens von Feinstaub belastet; in Würzburg wurde mit 115 µg/qm der bayernweit höchste Feinstaub-Wert in Bayern gemessen.

Auch die neuen Cafes und Restaurants, die im Eckgebäude eingeplant werden, seien nicht wirklich von Nöten, denn bereits jetzt sind am Kardinal-Faulhaber-Platz das Cafe Mozart oder die Bratwurstbude bekannte und gut besuchte Gastronomiebetriebe.

Quelle: http://gruener-theaterplatz.de/index.html

Was passiert mit der Bratwurstbude?

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Thomas Stark im Fränkischen Bratwursthäusle gegenüber dem Theater

»Da der Imbiss eine Bebauung darstellt, wird sie sowohl in der Variante der Bürgerinitiative als auch in der städtischen Planung keine Rolle mehr spielen.
Bürgerentscheid 1 enthält aber die Möglichkeit gastronomischer Angebote im neuen Eckgebäude« heißt es auf der Seite der Stadt Würzburg.

Für Thomas Stark entscheidet sich mit dem Votum ob seine Bratwurstbude stehen bleibt oder nicht. In seinem Verkaufsfenster hängen Flyer beider Optionen, »der Fairness wegen.«

Er befürwortet einen Park, doch findet die Tiefgarage unnötig. »Vor wenigen Monaten hieß es noch, man wolle weniger Autos in der Innenstadt und nun das?« Es gäbe doch schon genug Parkplätze in der Umgebung. Er zieht der Tiefgarage lieber eine Park-and-Ride-Lösung vor, bei der man von der Talavera beispielsweise in die Innenstadt fahren kann. Das Geld für das Ticket bekommt man dann beim lokalen Einkauf wieder zurückerstattet in diesem Konzept. Für ihn sind die Autofahrer nur zu faul zu laufen oder den ÖPNV zu verwenden.

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Der Plan des Aktionsbündnisses “Grüner Platz am Theater” mit hohen Bäumen. Ganz klein ist die Bratwurstbude zu sehen.

Die Stadt lässt ihm im unklaren, ob die Bude stehen bleibt oder nicht. Bei Entscheid Nummer zwei sieht man die Bratwurstbude sogar im Konzept-Design mit eingearbeitet. Er wartet nun auf das Ergebnis nach dem 2. Juli, befürchtet aber eine geringe Wahlbeteiligung.

Tiefgaragenpark ein ein »pseudo-grünes Placebo«

Für Sebastian Hansen von der Grünen Jugend Würzburg ist das Modell im Ratsbegehren (#1) nur ein »pseudo-grünes Placebo, um mit dem Bau einer Tiefgarage eine Verkehrspolitik von gestern in die Zukunft zu retten.« Für ihn braucht die »Stadt der Zukunft echte Grünflächen, ausgebaute Radwege sowie verlässlichen öffentlichen Nahverkehr« um für die kommenden Generationen erreichbar und attraktiv zu sein. Er hat Angst, dass eine Bebauung mit Tiefgarage endet wie der Frankfurter Goetheplatz, auf dem »mickrige Bäume dauerhaft mit Bewässerungsmanschetten und imensem Wasseraufwand am Leben erhalten werden müssen.«

Die Junge Union hingegen beschreibt sich selbst als »Verfechter für die Wahlfreiheit zwischen Auto und ÖPNV«, wenn sie den Ratsvorschlag unsterstützen. Sie sehen den Individualverkehr nämlich gefährdet, wenn die Parkplätze am Kardinal-Faulhaber-Platz ersatzlos gestrichen werden. (Quelle: http://www.wuerzburgerleben.de/2017/05/16/ju-fuer-gesunden-mix-am-kardinal-faulhaber-platz/)

Dafür müsste jedoch der öffentliche Nahverkehr jedoch auch eine echte Option sein, sprich die neue Straßenbahnlinie ans Hubland, die auch am Theater vorbeifährt, sollte deutlich höher priorisiert werden als Parkplätze. »Die Innenstadt bleibt nur lebenswert, wenn auch Platz für die Menschen da ist und nicht nur für Autos« (Thomas Schäfer, Geschäftsführer der WVV) vor allem im Anbetracht der Frage, wie lange der individuelle Nahverkehr überhaupt noch relevant bleibt.

Quelle: http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Bau-Flotten-Preiserhoehungen-Verkehrsexperten;art735,9598503

Egal ob direkt oder per Brief: geht wählen!

Man kann beide Vorschläge jeweils befürworten oder ablehnen, bei der Stichfrage ist jedoch die persönliche Präferenz gefragt, sollten beide Vorschläge eine ähnliche Zustimmung finden. Will man also nur für den Bürgerentscheid 2 abstimmen beispielsweise müsste man oben links “Nein” ankreuzen, oben rechts “Ja” und unten den zweiten Bürgerentscheid.

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smfsk

I’m a 22 year old trainee. Moved to Stuttgart. I'm into analog and digital photography and I write about stuff sometimes.

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