Selbstgebaute SLR

Als ich in Wien war, gab es da eine sehr interessante Straße vollgepackt mit Plattenläden, Döner und Kameraläden: die Westbahnstraße. Ich hatte leider überhaupt gar keine Zeit länger zu bleiben und zu bummeln, da ich erst kurz vor Ladenschluss dort war. Ich hatte nur Zeit in einen einzigen Laden zu gehen, der für den ich gekommen war: Blende7. Warum genau dieser Laden? Weil er auf der Liste der Lomography-Stores stand.
Ich habe mich also mit Filmen eingedeckt und auch etwas ganz cooles gekauft: eine Kamera zum selbst zusammenbauen für rund 40€: die Konstruktor.


Als ich wieder aus der Alpenrepublik heimkehrte war es an der Zeit, die Kamera zusammenzubauen. Ich musste aber warten bis Robin das nächste mal kam, denn ich hatte das Set hauptsächlich gekauft, um ihn damit zu überraschen, denn er liebt es, Sachen zusammenzubauen.

Nach knapp zwei Stunden war die Kamera betriebsbereit. Hier wäre es jetzt vielleicht mal angebracht ein paar Daten vorzutragen:

In die Kamera legt man den handelsüblichen 35mm-Kleinbildfilm ein. Das Objektiv ist nicht austauschbar, hat 50mm Brennweite, eine Blende von ƒ/10 und eine Fokusweite von ½m bis ∞.  Die Konstruktor funktioniert komplett ohne Batterien, man kann zwischen zwei Verschlusszeiten wählen: 1/80s (N) im Internet steht 1/60s, in der gedruckten Anleitung 1/80s oder Bulb (B) Film wird so lange belichtet wie der Auslöser gedrückt wird. Mit dieser Kamera sind Mehrfachbelichtungen außerdem ein Kinderspiel, da der Mechanismus um den Film weiterzubewegen und der Mechanismus die Spiegelmechanik aufzuziehen voneinander getrennt sind (im Gegensatz zu vielen Handelsüblichen analogen SLRs). Wenn man den Film weiter dreht, dreht sich ein Rädchen mit, dass einem die Anzahl der verbleibenden Bilder zeigt. Der Sucher ist auch etwas besonders, denn er ist, ähnlich wie bei vielen alten Mittelformatkameras, im rechten Winkel zum Objektiv (man muss von oben reinschauen) und spiegelverkehrt. Vor dem Benutzen muss man ihn erst freiklappen. Zum besseren Fokussieren kann man auch eine kleine Lupe dazwischenklappen.

DSC09774.jpg

Das Set ist eine super Gelegenheit, sich mit der grundsätzlichen Funktionsweise einer Spiegelreflexkamera auseinanderzusetzen. Auch wenn man nicht so viele justierbare Optionen bekommt (fixe Brennweite, Blende und Belichtungszeit), gibt einem die Kamera viel mehr das Gefühl die Kontrolle, aber auch die Verantwortung zu haben. Man spannt den Auslösemechanismus selbst, man entscheidet selbst, wie weit man weiter dreht, die Kamera pfuscht dir nicht rein, aber du musst auch alles selbst machen, und vor allem alles selbst richtig. Auf jeden Fall mal eine Abwechslung von anderen SLRs wie der Minolta XG-1, der Minolta 7000 oder gar den DSLRs, die man sonst so verwendet. Noch ein kleiner Tipp: Licht sollte man immer viel haben! Wenn das Motiv erst mal gut beleuchtet ist, kann man aber eigentlich gefahrlos drauf losfotografieren und doppelt belichten was das Zeug hält.

Anbei nun Bilder von dem Film, den ich, gleich nachdem die Kamera zusammengesetzt war, vollgeschossen habe und entwickelt hab lassen:

 

smfsk

I’m a 22 year old trainee. Moved to Stuttgart. I'm into analog and digital photography and I write about stuff sometimes.

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